Freitag, 25. Januar 2008

glücklich

So fühle ich mich. Verliebt wie ein Teenager bin ich, unzählige Schmetterlinge habe ich in meinem Bauch und vielleicht ist es auch noch der sich hier viel zu früh einfindende Frühling, der dazu beiträgt, dass mein Herz ganz voll ist und ich euch einfach alle umarmen könnte.
Ich genieße einfach alles hier – mit Janchen, ihrer und meiner WG sein zu dürfen, Yoga zu machen, immer wieder Bibi auf dem MP3-Player zu hören (ja, infantile Verhaltensweisen macht mich glücklich), einen günstigen Obst- und Gemüsehändler zu finden (so was gibt’s hier!! Wer hätte das gedacht?!), endlich einen richtigen Geburtstagskalender zu besitzen und hoffentlich keinen von euch Lieben mehr zu vergessen, Komplimente für meine nun längeren Haare zu kriegen, viel laute Musik zu hören (anscheinend sind meine Nachbarn taub?), sich geliebt zu fühlen, viel mehr triple cheesy bites Pizza zu essen, als man eigentlich runterkriegt und auch ein wenig mehr Bier zu trinken, als es schicklich ist.

Auch an meinen Schulen fühle ich mich erst jetzt so richtig angekommen und meine Arbeit füllt mich im Moment richtig aus, auch wenn diese kleinen Stinker einem manchmal den letzten Nerv rauben können. Doch ich mache jetzt viele eigene Sachen und habe mich ziemlich „freigeschwommen“, was wirklich gleichzeitig Herausforderung und Motivation ist.

Es war so richtig, das hier zu machen und es zeigt mir so viel – wie wichtig mir meine Freunde und meine Familie sind, wie wichtig und umwerfend es ist, neue geniale Menschen, Freunde, kennen zu lernen und wie stark Liebe sein kann. Da musstet ihr jetzt mal durch, auch wenn manchen unter euch das Ausdrücken von Gefühlen etwas schwerer fällt: Ich freu mich auf euch und so lange schawenzel ich hier mit meinem Janchen durch die Gegend und wir machen das Beste aus unserer Zeit.
(Habe gerade beschlossen, dass ich das hier wirklich so einstelle, wie es mir in die Tasten kommt :-) – ihr lest das Ergebnis.)

Aber soll ich euch mal verraten? Ich bin nicht die erste mit verfrühten Frühlingsgefühlen – Kiri ist auch bis über beide Ohren verliebt und selbst Kurt hat jetzt eine feste Freundin und feurige Brasilianerin gefunden und bei einigen von euch ist ja auch so einiges los, nicht wahr *g*?
Eure tanzende Leene

Donnerstag, 17. Januar 2008

paperweight

Frei nach Stephen Fry’s Vorbild kommt hier nun das, was unter meinem gedanklichen Briefbeschwerer (paperweight) so liegen geblieben ist – eher kleine Beobachtungen des Alltags, die sonst untergehen würden.

Um einmal die Frage zu beantworten, was Janchen und ich hier eigentlich so machen, hier ein paar aktuelle Projekte:

* selbstgemachte Arbeitsblätter mit Aufgaben verschiedener Couleur zu verschiedener Musik
(Mia, Toten Hosen, Fanta 4, Farin Urlaub, die ärzte…)

* Vokabelliste zu Sonnenallee (weil man ja von unseren A-levels nicht erwarten darf, dass sie
sich das selbst raussuchen; Order von oben)

* ein selbst gebasteltes (und mit Hilfe von meinem Pa, Dave und Janchen produziertes)
„Problemquartett“ à la Doktor Sommer-Team mit Bildchen, Vokabeln, Problem und Lösungen
(und optionalem Schwarzen Peter)

* Sprachspiele und was die guys noch so zum Reden verleiten könnte

* selbst gedrehte Videos von meinem (nicht ganz freiwilligen) Bruder, seinen Kumpels und Kathi
zeigen, in denen sie ihre Hobbies beschreiben + anschließendes Ratespiel (sie finden euch alle total süß!)

* Klausur-Korrekturen (ab und zu, habe schon meinen ersten echten Lehrerrotstift)

* mündliche Prüfungen abhalten (habe sogar schon einen sonst toughen Schüler zum Weinen
gebracht – aus Versehen… nee, wirklich!)

* mit den Prüflingen die Fragebögen zu verschiedenen Themen (z.B. der von mir gehasste
Fremdsprachenunterrichtsklassiker Umwelt…) durchgehen und ihnen bei der Beantwortung
der Fragen (natürlich auf deutsch) zur Hand gehen

* „Abi“-Präsentationen mit den Schülern überarbeiten und üben

* ab und zu: Funktion und Verwendung eines Wörterbuches erklären (da die uns hier öfter mal
als wandelnde solche missbrauchen)


Und dann passieren mir so wundervolle Gespräche wie dieses:

Schülerin [sitzt über einem Deutsch-Fragebogen] Miss!! Miss!!
Ich: Ja?
Sie: Muss ich das auf Deutsch beantworten oder kann das auch auf Englisch sein?
Ich [schaue finster drein…]: Nee, eigentlich auf Suaheli oder wahlweise in Mandarin.
Sie: Echt??!


Das sind die Momente, in denen ich bitte einfach gehen möchte, aber egal. Schön war auch eine der ersten Stunden in Drayton Manor:

Lehrer: „Miss kommt aus Deutschland. Ratet doch mal aus welchem Gebiet.“
Schüler: „Österreich?“

Naja, das war einmal vor nicht allzu langer Zeit... Außerdem sammeln Janchen und ich immer wieder gerne deutsche Wörter, die auch im Englischen ihre Verwendung finden, wie (die etwas ausgefalleneren)
* zeitgeist (hat auch Brad Pitt letztens in einem Interview verwendet, ist jetzt superchic)
* wanderlust
* doppelganger
(das mit dem Umlaut klappt noch nicht, aber selbst Oli meinte, das Wort wäre hier gerade sehr modern)
* schadenfreude
* to spritz sth.
* heimat

* verboten (= strictly forbidden)
* über-/ uber (Vorsilbe, die man so ziemlich vor alles setzen kann, um es noch geiler klingen zu
lassen wie: übersweet, übersinger etc.)

Ansonsten halte ich einen meiner (englischen!) Lieblingskollegen von der wahnwitzigen Idee ab, ein Projekt zur Wiedereingliederung Ostpreußens nach Deutschland zu starten. Mittlerweile will er T-Shirts drucken und die ersten Familien pressewirksam nach Polen schicken und er fragte mich, ob wir dann auch Königsberg zurückhaben wollen, wenn wir schon mal dabei sind. Oh Mann, ich liebe Freaks.

Und wo wir schon einmal dabei sind – hier die ungefähren Rahmenthemen für die Sprachen-A-levels an einer meiner Schulen:

französisch: Literatur, Poesie, Philosophie
spanisch: Literatur, Südamerika, Franko
deutsch: Holocaust, Wiedervereinigung
(ohne Kommentar)

Dann lässt sich noch sagen, dass Ashtanga Yoga nur was für ganz Harte ist; dass irgendwie ein beruhigendes Gefühl ist, gleich neben einem Krankenhaus zu wohnen und dass baked beans und banoffee pie echt verdammt lecker sind; dass der von Dave, Jana und mir geplante Wikipedia-Eintrag zum Post-Futurismus dummerweise schon existiert und wir uns wieder mit der Frage beschäftigen müssen, was eigentlich danach kommt und, dass Japanische Riesenkrabben echt eklige Viecher sind, denen ich bitte max. in meinem naechsten Leben begegnen moechte.
Das war’s auch schon - ich drück euch ganz doll!!! Eure Leene

Mittwoch, 16. Januar 2008

Vom kleinen Maulwurf…

[Vorsicht! Schmutziger Eintrag]

Was ich euch nun zu sagen habe, mag für zarte Seelen etwas verstörend sein. Doch weil es mich so überrascht und erstaunt hat und ich es aber nun doch einige Male von einander nicht bekannten Engländern gehört habe, muss ich es mit euch teilen. Ich werde es andeuten. Sagen wir mal, es geht um einen etwas abseitigen Fetisch, der uns Deutschen per se unterstellt wird.
Sagen wir es mal so - der Stereotyp besagt, dass wir Deutschen gern auch (Vorsicht!) unsere Körperausscheidungen jeglicher Couleur leidenschaftlich in das Liebesspiel einbeziehen.
Eklig? Nunja, aber ich habe es nun mal von mehreren Seiten bestätigt/erzählt bekommen (eine dieser Quellen war mein Deutschlehrer *tssss* ;-)).
Schön daher auch eine grandiose Entdeckung, die Jana und ich gemacht haben – die uns Deutsche aber leider immer tiefer kollektiv reinreitet.


In England ist jetzt tatsächlich das (deutsche!) Kinderbuch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ erschienen. Man schaue sich das Buch mal bitte an – dort werden die verschiedenartigsten Tierexkremente mit den Ausscheidungen auf dem Kopf des Maulwurfs detailliert verglichen. Toll. So wird das wohl nichts mit der Bereinigung unseres Images. Da müssen wir wohl durch :-)!!



Diesen Riesenmaulwurf (samt „Kopfbedeckung“) traf Jana übrigens im Foyles, einem der berühmtesten Buchläden der Welt. Doch auch dort lauert das Schmutzige an jeder Ecke oder, in diesem Fall, hinter dem Schaufenster.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite (und wieder in einem Buchladen) tranken Janchen und ich dann ausgiebig Kaffee und Kakao um uns weiter durch ein paar Bücherstapel zu graben und dieses Schätzchen zu finden (aus dem Empfehlungsregal der Mitarbeiter!!):



So muss das sein. Und so weit ich mich erinnern kann, kommen in den 13 ½ Leben auch keine Fäkalien vor – so wird das auch was.

Back in Town (zwei Mal)

Und so landete ich am 20.12. auf dem Flughafen Schönefeld. Der Landeanflug schon löste bei mir die ersten kleinen Freudentränen aus und als mich dann ein großes Plakat der Berliner Morgenpost (mit Umlauten...) begrüßte, konnte ich mich kaum noch beruhigen. Abgeholt wurde ich von meinem Lars, seinem Kumpel und meiner lieben Omi. Es ist einfach schön gewesen – Berlin, Falkensee mit meiner ganzen Familie.
Nach einem gemütlichen Quatsch-Abend gingen meine andere Omi und ich nachholen, was mir in London wirklich gefehlt hat – Weihnachtsmarkt plündern und in Ruhe (fast idyllisch!) shoppen gehen. Der Höhepunkt des Nachmittags war dann Der goldene Kompass und unser Lieblingszimtkaramellpopkorn.
In den folgenden Tagen wurde dann ein Spieleklassikermarathon ausgetragen – Scrabble, 20 questions, outburst, Trivial Pursuit.
Als Bernd dann endlich angekommen ist, haben wir uns gleich am nächsten Tag auf den Weg zu Julia & Christian gemacht. Der kleine Moritz wurde mit einem Dinobuch bedacht. Ich muss übrigens zu meiner Schande gestehen, dass ich mich am Silvestermorgen fast verquatscht hätte…

Ich [mit Katerkopfschmerzen]: Hey Moritz, wie gefällt dir denn dein neues Dinobuch?
Er: Ganz toll.
Ich [fast im Halbschlaf]: Naja, hat ja auch Bernd ausgesucht.
Er [entrüstet]: Aber das hat doch der Weihnachtsmann gebracht!
[Moritz guckt ungläubig – ich denke nur: Mist!! Ääääääh…]
Ich: Na klar! Aber auch der Weihnachtsmann braucht seine Informanten…
[*puh* - das war haarscharf… doch Moritz schaut zufrieden… wäre beinahe der Grinch des Jahres geworden…]

Man klebe mir also bitte den Mund zu in Gegenwart von Kindern (Notiz an mich: Lehrerberuf überdenken?!).
Für alle Handballinteressierten an dieser Stelle noch ein Hinweis – Berlin hat ein Handballteam in der 1. Bundesliga: Die Füchse. Lars, mein Vater, einige gute Bekannte und ich waren bei einem Spiel in der Max-Schmeling-Halle. Erwähnte ich, dass ich Handball liebe? Auch wenn ich immer noch ein gutes SSV Falkensee-Spiel jedem anderen (Nationalmannschaft ausgenommen) vorziehe.

Weihnachten war wie jedes Jahr einfach wunderschön – ich liebe ja Überraschungen und Geschenke (bekommen und geben). Nur leider wurden nacheinander alle Familienmitglieder krank und so mussten vor allem Bernd und meine Mutti über die Feiertage einiges auskurieren.
Leider musste mein Schatz dann wieder nach Hause (und wurde von meiner bezaubernden Julia nach Göttingen chauffiert, was angesichts seines Gesundheitszustandes – inkl. hohem Fieber - auch wirklich gut war – Dankeschön Süße!!).


Dann blieb noch Silvester. Gleicher Ort wie letztes Jahr, ungefähr gleiche Besetzung, nur alle ein Jahr älter und vielleicht etwas weiser? Ein wirklich denkwürdiger Moment, als Christian, Steve, Kathi und ich auf dem Balkon in den Himmel starrten und noch einmal ein Fazit unseres Jahres 2007 zogen und unsere Wünsche für 2008 teilten. Mein Jahr bestand übrigens zum Großteil aus Warten (nicht zuletzt wegen der FLA-Sache).
Doch ich muss unbedingt noch erwähnen, wie uns Julia und Christian bewirtet haben und dazu bedarf es nur zweier Worte: Perfektes Dinner.
Und ich nenne nur ein paar zufällig ausgewaehlte Bestandteile: geniale Tischdeko mit Sinnspruch und Speisekarte, Blumen, Sushi, zweierlei Fleisch, selbstgemachte mousse au chocolat (auch in weiß und mit Blattgold!). Vielen Dank, ihr Süßen!
Dann ging es wieder zurück nach London und ab in den englischen Alltag…

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Sitten, Bräuche, Traditionen.

In 5 Tagen ist schon Weihnachten, was bedeutet, dass ich heute meinen wohl letzten Eintrag für dieses Jahr schreiben werde (Es sei denn, ich berichte euch ein wenig von meinen Heimaterlebnissen und stelle ein paar schöne Fotos meiner Lieben ein?).


Was ist also in der Vorweihnachtszeit hier los gewesen? Erstmal war meine liebe „Kollegin“ Maja hier – wir haben uns bei starbucks von innen aufgewärmt und ich habe mir von ihr ein paar Tipps gegen meine immer noch anhaltende Erkältung geholt. Maja hat uns zu sich eingeladen – sie wohnt etwas weiter nördlich und ich freue mich schon sehr auf ein Wochenende mit ihr.
Doch nicht nur Maja hat den beschwerlichen Weg nach London auf sich genommen – auch Jens (ebenfalls FLA) wurde letztes Wochenende bei Jana aufgenommen. Nach dem beschwerlichen Weg kehrten dann Jana, Dave, Jens und ich im Northstar ein. Wie man sehen kann, hatten wir einen schönen Abend – wenn auch draußen in der Kälte, weil drinnen alles voll war.












Diese Woche stand dann aber doch ganz unter dem Motto „Weihnachts- und Ferienfreude“ und so lernte ich einige englische oder zumindest schuleigene Sitten hautnah kennen. Zum Beispiel das alljährliche pantomime. Ich habe alle meine Lehrer gefragt, warum es denn bitte schön pantomime heißt, wenn doch gesprochen wird – aber das ist bestimmt wieder eine Traditionsfrage, so wie Janchen und ich mince pie (mince = Hackfleisch) gegessen haben, die, obwohl sie meist mit Rosinen und Süßem gefüllt sind, immer noch diesen Namen tragen. Bei der pantomime wird immer ein Märchen als Vorlage gewählt (bei Drayton Manor war es Aschenputtel) und dann wird drauflos gealbert (nach eigenem Drehbuch). Oh, und traditionell gibt es immer einen Mann, der als Frau verkleidet ist – mit riesigen Brüsten und schlechtem Makeup.

Gestern dann sind alle willigen Drayton-Sprachlehrer und Assistenten nach Kew Gardens zum Schlittschuhlaufen gefahren. Es war wirklich genial – nur der Pubbesuch danach war etwas zu ausschweifend, sodass es mir dann heute etwas schwerer fiel, konzentriert zu unterrichten :-).






Kew Gardens ist auf jeden Fall einen Ausflug wert – dort gibt es neben der allwinterlichen Schlittschuhbahn auch ein riesiges Gewächshaus (sogar mit Palmen!) und einen schönen Garten (daher auch der Name).

Und so war ich heute zum vorletzten Mal in Northolt und nicht nur ich war etwas weniger motiviert als sonst – auch meine Lehrer beschränkten ihre Tätigkeit auf Filme gucken (und dann auch noch z. B. 7 Zwerge…) oder Musik hören.

Danach fuhr ich nach Drayton Manor zum Lehrer-Christmas Lunch. Der Direktor Sir Pritpal Singh hat ein weihnachtliches Essen und Wein ausgegeben und so saßen wir alle nett beisammen. Übrigens hat Sir Singh schon einem intimen Abendessen mit der Queen beigewohnt, nachdem er von ihr zum Sir ernannt wurde. Ich bekomme hier also sogar etwas indirekte royale Atmosphäre ab (Wie war das noch mit der small world-Theorie, die besagt, dass jeder Mensch über 5 Bekannte mit jedem anderen bekannt ist? Bei mir sind’s nun also nur zwei Schritte bis zur Queen *höhö*). Bleibt noch zu sagen, dass Christmas Pudding widerlich ist. Das mag aber daran liegen, dass er zum großen Teil aus Rosinen besteht und wie Lebkuchen schmeckt – zwei Dinge, die ich furchtbar finde. Dafür war der custard ziemlich lecker :-)!
Mein Lieblingsteil des Christmas Lunches aber war die Verleihung des „Prit Awards“ an den beklopptesten Lehrer. Zur Wahl standen einige Stilblüten und Aktionen. Eine Lehrerin glänzte etwa mit der Frage: „Sag mal, welcher Fachbereich organisiert eigentlich den Frankreich-Austausch?!“. Ein anderer mit der Ansage: „Unsere AG findet also alle 4 Wochen statt – nicht monatlich.“ Schön war auch ein anderer Lehrer, der in den Klamotten seiner Frau (Theater-Projekttag) die Schüler beim Feueralarm leiten musste. Er meinte, er hätte an diesem Tag einiges gelernt. Manche Kollegen haben ihn z.B. gar nicht erkannt und ihm auf die unechten Kurven gestarrt und ein Feuerwehrmann verweigerte ihm sogar vollkommen die Auskunft. Schön fand ich auch die Idee, dass die Lehrer Limericks über einander geschrieben und dann unter Jubeln vorgetragen haben.

In Majas Gegend ist es wohl Tradition, dass jeder jedem eine Weihnachtskarte gibt (selbst der Gemuesehaendler und die Supermarktverkauferin sollten nicht vergessen werden!) - da steht dann ausser dem Vordruck nicht viel drin, aber Hauptsace ist, man hat an alle gedacht. Naja, ich hab hier also mehrere Packen Christmas Cards verteilt (allerdings auch immer was Liebes reingeschrieben...) - doch kann meinen Nachfolger beruhigen - weder in Drayton noch in Northolt ist das feste Sitte... naja, so war ich wenigstens einmal lieb und freundlich ;-)! Meine Sekretaerin hat sich naemlich schon mehrmals beschwert, ich wuerde immer mit so viel Papierkram ankommen, mit mehr als jeder Assistant vor mir... naja, auch ein Rekord.

Und so verging dann auch unser letzter Tag in Drayton Manor und morgen, an Janchens Geburtstag, heißt es ein letztes Mal „Auf nach Northolt!“.
Ich freue mich auf jeden Fall schon auf Deutschland und bin schon ziemlich reisefiebrig. Eure Leene

Übrigens:
J. K. Rowling war auch einmal eine Fremdsprachenassistentin so wie Janchen, Maja, Jens und ich. Mal schauen, was aus uns noch so wird :-)!!

Dienstag, 11. Dezember 2007

Julie à Londre

Heute ist der 11.12. (hApPy bIrThDaY Christian!!!) und ich liege krank im Bett. Das heißt, die Northolt High School muss heute ohne mich auskommen und ich widme mich all den unglaublich süßen Mitbringseln, die ihr mir so zukommen lassen habt und dem gigantomanischen Weihnachtspaket meiner Eltern. Ich liebe euch! Das vorneweg und es war, was man hier „the cherry on the icing of the cake“ nennt (Die Kirsche auf der Glasur des Kuchens) – meine süße Julia hier zu haben und mit ihr ein bisschen die Stadt zu erkunden und dann auch noch allerlei Kleinigkeiten…
Danke, danke, danke! Ihr wisst, wie gern ich Überraschungen habe und so waren die letzten Tage wie ein bisschen Geburtstag für mich. In jedem Fall fühle ich mich jetzt gestärkt und mit allerlei Filmen und Musik, Dokus und (dank meine lieben Mum) sogar mit meinen heiß geliebten (das wird peinlich, aber egal) Kalwass-Folgen versorgt. Jetzt ist es raus :-)!

Ich dachte schon, dies würde mein erstes, trauriges Weihnachten so ganz ohne Kalendertürchen öffnen… ich meine, nachdem ich der französischen Assistentin mein Leid diesbezüglich geklagt hatte, sah sie mich verständnislos an und meinte, das sei doch so was von kindisch, einen Kalender zu haben und jeden Tag Schokolade zu essen. Ich habe jetzt beschlossen, dass es das nicht ist und freue mich nun umso mehr über meinen suuuperleckeren Milka-Kalender!! Wahrscheinlich ist sie nur neidisch…
Was gab es noch so? Lecker Russischbrot (meine Schuler beauegten es skeptisch und ausser einer 13erin mag es keiner, dafuer dann umso mehr fuer mich!) und massig Milka... das wird einem hier ja aus der Hand gerissen... oh und kuschlige Frotteesocken... und mehr!

Ich habe ja schon ein paar Tage lang nicht mehr gebloggt und so seid ihr leider etwas im Informationsrückstand, was unsere momentane WG-Zusammensetzung angeht, denn Kiris Cousin aus New Zealand ist temporär (?) bei uns eingezogen. Kurt spielt professionell Rugby und zieht so seit Jahren durch die Weltgeschichte – als wir gestern unser Jahr revue passieren ließen meinte er, er hätte in den vergangenen 12 Monaten in 13 Wohnungen gelebt. Hier uebrigens ein paar verstreute Partybilder von dem Vorgluehen in der Uxbridge Road!!

Er ist wirklich ein merkwürdiger Zeitgenosse und wer zart besaitet ist, überspringe bitte die nächste Zeile, die seinen Lebenstraum beinhaltet:

Kurt möchte gerne eine Frau jeder einzelnen Nationalität dieser Welt beglücken.

[Zu Janas, Julias und meinem Glück hatte er nach eigenen Angaben schon ein paar deutsche Mädels. Wie wir uns so überlegten, könnte der Traum allerdings sowieso an Andorra, Monaco oder spätestens dem Vatikanstaat scheitern.]

Letztes Wochenende waren ein paar von Kiris (hier rechts im Bild) Freunden hier und so entstanden diese Bilder:


Um ganz nebenbei euer Wissen zu vergrößern kommen heute wieder zwei neue Vokabeln hinzu (ich werde euch abfragen, vertraut mir! *g*) und was Kulurelles:

Thingummybob – Dingsbums

Gobbledegook – Kauderwelsch

(beide in meinem Unterricht von vokabelwissbegierigen Schülern entdeckt!)

…und angeblich müssen in der Londoner Royal Albert Hall pro Vorstellung durchschnittlich 4 Menschen aus dem Saal geleitet werden, weil sie die ungewöhnliche, Höhenangst fördernde Architektur nicht ertragen können. Da müssen wir hin, Janchen!

Doch nun zu dem wirklich wichtigsten „Ereignis“ der letzten Tage – meiner Julia in London!! Und weil es viel schöner ist, Erinnerungen gemeinsam zu bewahren, hier also ein dialogischer Bericht von unserer Zeit! Nehmt euch ein Tässchen Kaffee oder gern auch Tee und los geht’s:



Vor lauter Aufregung bin ich fast drei Stunden zu früh am Flughafen, also trinke ich mir erst mal Mut an um die Zeit bis zum Check-In zu überbrücken…dank eines vollmundigen Hefeweizens ist die Zeit auch tatsächlich plötzlich um. Ich sitze im Flugzeug, gucke Comics, esse Bagels und freue mich wie Bolle als die glitzernden Städte Englands unter uns auftauchen. Mir kribbeln die Füße als wir landen, auf meinem Gesicht ist ein breites Grinsen eingefroren, es bleibt auch als ich im Zug an den Industriestandorten, die vor London liegen, vorbei brause. Schließlich Liverpoolstation, eine große weite Halle und ganz am Ende kann ich sie schon sehen…Leene…endlich…

Hier wie ich eigentlich aussehen wollte im Moment unseres Wiedersehens: erfreut, gut erholt und irgendwie ein bisschen erwachsener – und wie sah ich aus? Nur so viel: Wie gut sieht man aus, wenn man gerade einen Whopper im Gesicht hat? (Aber wer kann den schon wissen, mit welchem der 10.000 Stansted Expresses (?) die geliebte Julia nun ankommt?). Wenigstens die Tatsache, dass meine Brille zu Hause geblieben ist, hat mich bestimmt sexier gemacht (oder, Julie?!), nur musste ich mich dann, wie so oft, auf Janchens beneidenswerte Adleraugen verlassen.



Mein erster Eindruck: Leene sieht londonerisch aus (das bedeutet wohl mondän, weltfrauisch, gut eben). Ich sehe (Fotos beweisen es) durchgenudelt aus. Immer noch freue ich mich über jeden kleinen Scheiß, der irgendwie englisch wirkt, deshalb zeigen mir Jana und Leene auch erst mal den atemberaubenden Blick von der Milleniumsbridge. London bei Nacht… Wow und übelst geil… Ich liebe es. Nach etlichen Ohs und Ahs und Oh man ist das schön, zurück in die Tube: Ealing, I’m coming!

Nee, im Ernst jetzt mal, ich fand es wirklich schön auf der Brücke und auch wenn mich meine fotografischen Künste einmal mehr im Stich gelassen haben – ein wirkliches Gefühl von Freiheit und geballter weiblicher Energie (sexy, hm?) durchflutete mich. Aber jetzt werfen wir mal den Zeitraffer an, sonst wird das hier länger als Captain Neros Logbuch…


Überspringen wir also die Neugier mit der ich Leenes Zimmer (Leenes Raum eben) erkunde und die wirklich langen Gespräche (3 Uhr, auch wenn Leene der Meinung ist, dass ich immer viel zu früh eingeschlafen bin… aber hey London ist anstrengend)… den Morgen begehen wir very british mit Baked Beans und scrambled eggs (Rührei also). Dann jehts ab zur Schule und zwar im originalen Doppeldeckerbus (natürlich ganz vorn oben)… ich darf zwar nicht mit rein, bin aber trotzdem very impressed by Drayton Manor. Also fliege ich einmal übers Cookoo Nest und bestelle auf Englisch einen Milchkaffee (oh Gott bin ich stolz) und werde für eine Norwegerin gehalten, dann geht’s ab in die Innenstadt…

...Charing Cross Road (s. oben) und Leicester Square...

Und dann oft erwähntes orgiastisches Hägen Dasz Eis… und jetzt London zu Fuss… Chinatown, Soho (which was OHO)… and Picadilly Circus, of course…

Aber viel besser: Donnerstag. Der erste wirklich wirklich alkoholselige Abend (auch der Mittwoch endete mit einer Flasche Wein, aber pssst). Es gibt kaum etwas Besseres als im leicht angetrunkenen Zustand im New Inn einen Steak, Bacon & Cheese Burger zu essen. Und wir haben den Kellner wohl dermaßen euphorisch begrüßt, dass er meinte, so sehr habe sich noch nie jemand über seine Burger gefreut… nach dem ein oder anderen Pint machten wir uns auf den Heimweg.



Völlig angetrunken torkeln wir also die Straße runter…machen alle Sekunde lang Stopp für neckische Fotos, die leider unseren wahren Zustand enthüllen. Wir pöbeln gegen Schaufenster in denen Schallplatten mit mehrdeutigen Covern oder hässliche Leuchtreklamen ausgestellt sind. Die Busfahrt schaukelt uns noch mal so richtig durch (irgendwie wird Leenes Gesichtstausdruck dadurch ziemlich, nunja lüstern) und wir landen in der WG… gemeinsam smauken wir eine leckere Wasserpfeife und trinken noch mehr Bier. Der nächste Tag ist vor allem durch Leenes Abwesenheit und anstrengende Shoppingtouren gekennzeichnet.


Freitag. Was heißt hier eigentlich Abwesenheit? Ist immer eine Frage des Blickwinkels, Süße! Doch die Lehrer waren den ganzen Tag über etwas unkonzentriert – denn es hieß: teacher’s night out! Also hübschten wir uns auf, stießen zu dem Lehrer(Achtung! Wortspiel)pulK und eh wir uns versahen, waren wir Teil eines peinlichen Trinkspiels. Womit ich euch nun allen offiziell versichern kann, dass Lehrer nicht unbedingt in allen Lebenslagen ernstzunehmend und würdevoll agieren. Vielleicht ein Trost für Julia, die gerade feststellen musste, dass sie mittlerweile zu alt für’s Nimmerland ist und dass unser Studienende (und damit wohl das Referendariat? Und letztlich auch das Lehrersein?!) sich nicht mehr in unvorstellbarer Entfernung befindet.


Pah… dafür sind wir dann noch mal richtig schön childish auf Janas HouseParty. Das Motto: Rave 90er… das heißt bunte Leuchtringe, richtig echter Techno und eine Zweiliterflasche Vodka (diese macht auch meine sprachliche Kommunikationsfähigkeit viiiiieel besser)…ich kommunizier also munter mit den Einheimischen, während Leene und Janchen upstairs sind…es bleibt zu sagen: beide kamen wieder runter, die Post ging ab, die Party war spitze, die Jungs süß… so wird die Nacht dann noch so richtig geil und ich kann das uncomfortable Teachers N-O überwinden.


Aber da sich unsere Körper mittlerweile an den Alkohol gewöhnt hatten, ging es uns Samstag nicht so schlecht, wie man denken könnte. Übrigens ist Bacardi berries mit Tonic ein echter Tipp. Wen wir bei Janchen übrigens so getroffen haben: u.a. Gary, dessen Ex Tänzerin ist und u.a. in „the golden compass“ und der Filmversion von „mamma mia“ mitgewirkt hat und der (Vorsicht, Kathi, dein Jugendtraum) auf einer backstage party von Take That war und Rob (alias Hagen :-)) der bei Loreal für die Packungsbeschriftung zuständig war und, leider weniger bekannte, Slogans wie „this shampoo will change your life“ erfunden und dann als Tennislehrer in Ghana gearbeitet hat…



Nur leider brachte uns die Nacht eine schwerwiegende Zeitverschiebung ein, was dann auch damit bestraft wurde, dass die ersten Händler auf dem Portobello Market einpackten, als wir kamen. Und dann musste Julia auch noch merkwürdige Dinge besorgen. Ich sag nur water biscuits?? Wer will denn Knäcke, das nach nix schmeckt? (hihi, ich weiß wer!). Leider merkte ich etwa auf Höhe des Portobello Lush, dass mein morgiger Tag weniger spaßig sein wird (wer wissen will, wie ich mich fühlte, lese bitte Janchens treffenden Eintrag chesty coughs und rainy days. Mist!).


Jaja…Leene liegt krank dar nieder und ich ziehe sonntags alleine los, Ziel: CamdenTown, DAS Indieviertel, mit einem ebenso berühmten Market wie Notting Hill (welches mir by the way sehr gut gefallen hat)… nachdem ich meine erste Runde eng gedrängt an Trödelsammler, alternative Schicksen und Touris durch einen Teil des Marktes mache, stelle ich schnell fest: Naja. Es gibt zwar viele aufregende Stände, ziemlich viele, aber irgendwie führen sie alle dasselbe oder sie verkaufen lustige T-Shirts oder knappe Gothic-Kleidchen. Auch der Horsemarket bringt keine Erleichterung, zwar kann ich mir die Zeit durch ein delishes Chicken-Tandoori verkürzen, aber DAS EINE Teil, „das ich auf einem Londoner Flohmarkt gekauft habe“, ist trotzdem nicht zu sehen. Schließlich verlasse ich Camden, in den Taschen nichts weiter als Klaviaturschnürsenkel und witzige Postkarten, in Richtung South-London und Tate (natürlich verfranse ich mich wieder furchtbar...) Nach einer halben Ewigkeit komme ich schließlich vor einem KZartigen Gebäude an, das moderne Kunst beherbegt… nun kann ich Sätze sagen wie „In der Tate gefallen mir Pollock und seine Frau am besten“ oder „Moderne Kunst wird ja völlig überschätzt.“ Etc etc. Auf dem Rückweg besorge ich meiner kränkelnden Gastgeberin noch ihre heiß geliebten Baked Beans und wir lassen den Abend sanft mit QI - we love Stephen Fry ausklingen.

Das kann ich bestätigen. Vor allem den Teil mit Pollock und seiner Frau – den Satz hat sie nämlich schon 2x allein in meiner Anwesenheit angebracht. Scheint also ein guter Satz zu sein :-). Stephen war übrigens wieder göttlich – und ich habe einiges gelernt, etwa welche äußerst spacigen Formen unter Drogeneinfluss stehende Spinnen ihren Netzen geben.

Und – für alle Leser, die mittlerweile schon völlig entnervt vor diesem dualen Epos sitzen- schließlich ist schon Montag… my last day. Den verbringen wir gemeinsam mit Inga (ner alten Schulfreundin) in der Nähe des imposanten St.Pauls. Nach ziemlich viel Geplapper und Gossip in einem schicken Bistro, ziehen wir schließlich in ein vielgerühmtes Sushi-Restaurant um. Da Leene immer noch ziemlich krank ist, lassen wir sämtliche anstrengenden Aktivitäten (alles was National oder Gallery im Namen trägt) aus und spazieren an der Themse entlang (oh mein Gott auf Wunsch eines einzelnen Herren habe ich sogar meine Hand hineingehalten). Die Sonne geht langsam unter und taucht das schöne London in ein magisches Licht… die Kulisse verrät: der Abschied ist nahe.

Dienstag, 27. November 2007

Socialising

Wieder ist eine Woche wie im Flug vergangen. Letzten Sonntag waren wir nun also tatsächlich in der äußerst eindrucksvollen British Library und bestaunten „The King's Library Tower“, die allerdings nur von den Bibliothekaren betreten werden darf und inmitten eines riesigen Glasverschlags untergebracht ist. Mit dabei waren wieder Victoria und Janchen, die mir hier richtig richtig doll ans Herz gewachsen ist.
Sonntags ist leider der großes Lesesaal (touristischer Höhepunkt :-)) geschlossen, doch das ist nur ein Grund mehr, diese atemberaubende Bibliothek zu besuchen. Abgeblich soll jedes in England gedruckte Buch mit mindestens einem Exemplar hier vertreten sein (und wenn das mal kein Anreiz für die Vorbereitung und Bearbeitung meines Fachpraktikumshefters und der victorian madness-Hausarbeit ist…).


Doch, ganz ehrlich, hat mich vor allem der library shop in einen kleinen Kaufrausch gestürzt (fast – kurz bevor die Karte glühte, habe ich dann doch das ein oder andere da für die weiteren Besucher dagelassen!). Aber es war auch gemein, immerhin hat die British Library Schätze wie eine komplett erhaltene Gutenberg-Bibel, altenglische Bibelsprüche aus dem Kloster Lindisfarne und das Originla der Magna Charte von 1215! Ich konnte also nicht umhin mir einen Druck einer Gutenberg-Seite als Poster mitzunehmen und auch ein Wortspiel namens dice words, eine Art mini-mini-Scrabble und super für den Unterricht geeignet, musste dran glauben, achja und der obligatorische Bleistift. Dagelassen habe ich leider das Kühlschrank-Poesie-Set (mit unglaublich vielen englischen Wörtern und Silben, die man auf dem Kühlschrank zu Sätzen und Gedichten verbinden kann - ihr kennt das bestimmt), aber leider ist unser Kühlschrank zu Hause wohl zu niedrig, als das Berndi und ich Lust hätten, auf dem kalten Küchenfußboden rumzukrauchen um Verse shakespearschen Niveaus zu kreieren. Oh apropos, ließ ich auch ein Set mit Schimpfwörtern aus dem Oevre besagten Dichters liegen – auch wenn dieses Sätze enthielt wie:

"Thou paunchy fen-sucked scullian!"

(Du dickbaeuchiger, matschgetraenkter Kuechenjunge)

oder

"Thou burly-boned dismal-dreaming mammet!"

(du staemmiges bedrueckend-trauemendes Mammut?) :-)


Danach ging es, wie sollte es anders sein, in einen Pub – honey dew ist übrigens ein wirklch leckeres Bier mit Honignote – um den ein oder anderen Teller ungesunden Pub foods zu sich zu nehmen. Victoria verabschiedete sich bald und Janchen und ich stiegen, bei klischeehaft schlechtem Londoner Wetter, in den erstbesten Bus. Doch schon bald merkten wir, dass der Busfahrer nur selten anhielt und plötzlich (es waren nur 3 Leute im Bus) meint er: „I’m lost.“ Er hatte sich also offensichtlich verfahren (oder es war wieder einmal ein Beispiel englischen Humors?). Dennoch erreichten wir bald Marble Arch und wähnten uns schon sicher vor dem Unwetter, als im Oxford Circus ein Sicherheitsalarm ausgelöst wurde (wahrscheinlich hat mal wieder jemand seinen Koffer stehen lassen, das löst hier schnell mal ein komplettes Chaos aus…) und so liefen wir wieder durch den Regen und nach einer Odyssee waren wir zu Hause und in trockenen Tüchern.


Zwei Tage später, ich hatte es schon fast vergessen, war ich dann beim Abendessen mit den Sprachlehrern der Northolt High in Eastcote. Wundervoll – chinesisches all you can eat (ich hab sogar geschafft, noch mehr zu essen als ich eigentlich kann! Hilfe!!) – und unzählige Flaschen Wein später war die Stimmung ausgelassen, ein Grund für mich und Louisa (ähnlich durchgeknallt wie ich) die aus Anlass eines Geburtstags angebrachten Luftballons für lustige Mickey Mouse-Helium-Ansprachen zu missbrauchen… kurz: wir hatten Spaß. Und zu allem Überfluss wurde ich dann tatsächlich auch noch von einer Lehrerin bis vor die Haustür gefahren in einem kuschelig warmen Familienauto. Am nächsten Tag hatte ich übrigens meinen Spaß, die verkaterten Lehrer mit einem Grinsen zu begrüßen (ich hab da schon so meine Tricks den hangover zu vermeiden).


Doch es gibt auch durchaus schöne Neuigkeiten, die direkt mit meinem Job zu tun haben. Auf diesem Einführungstag des Goethe-Instituts Anfang Oktober wurde eine neue Regierungsinitiative zur Förderung des deutsch-britischen Kulturaustauschs vorgestellt und wir FLAs (Foreign Language Assistants) sollten uns bewerben, wenn wir gern von der UK-German-Connection geförderte Projekte an unserer Schule organisieren wollten. Da Jana und ich ziemlich ideenreiche und begeisterungsfähige Menschenkinder sind, haben wir uns also beworben und sind tatsächlich genommen worden (wir sind also 2 von 35 Leuten; über 100 Assistenten aus ganz Großbritannien haben sich beworben, nicht schlecht…), dürfen nun wirklich UK-German-Connection Ambassadors („Botschafter“) nennen und werden auch ein Zertifikat und eine Referenz dafür erhalten.


Nach einem Wochenend Workshop in der deutschen Botschaft (!) in London wissen wir jetzt auch, was es alles braucht um Schulprojekte zu organisieren und wie man die Ergebnisse am Besten publik macht („showcasing“) – also geht’s wohl bald los mit dem ersten Projekt. Nur so viel, es hat was mit Weihnachten zu tun :-), mal hoffen, dass das alles in etwas so klappt, wie wir uns das vorstellen. Und wieder einmal ist es von großem Vorteil ein Lehrerkind zu sein, weil ich natürlich aus dem Erfahrungs- und Ideenschatz meiner Mama schöpfen kann und so hoffe ich, dass wir die Anfängerklippen umschiffen können. Doch dazu dann mehr, wenn es konkreter wird.


Der Workshop war übrigens wirklich gut organisiert und auch wenn es wohl nur halb so viel Spaß gemacht hat, weil Janchen, wohl durch unsere Regen-Odyssee erkrankt, nicht dabei sein konnte. Aber ich habe wirklich selten ein so konkret hilfreiches Seminar gehabt und auch das Zeitmanagement war hervorragend – und das Essen! Habe zum ersten Mal libanesisch gegessen (leider nicht so ganz mein Fall) und am Sonntag waren wir doch tatsächlich in einem italienischen Restaurant I N der italienischen Botschaft?! Verrückt… da könnten wir doch eigentlich auch ne Currywurstbude in der deutschen Botschaft aufmachen *g*! Ich wär dabei!
Schön finde ich auch, dass mir die Lehrer sagen, dass meine Schüler den Unterricht bei mir genießen und sich sogar manchmal streiten, wer zu mir darf. Ich habe hier wirklich ziemlich viel Freiheit, was meine Vorbereitung und die Unterrichtsinhalte angeht und so kennen meine Schüler jetzt Farin Urlaubs „Die Dusche“ (einige singen sogar mit!!), Mias „Tanz der Moleküle“ und ja, selbst die Toten Hosen… bin stolz, denn hier hört das Musikwissen meist bei den Prinzen und Pur (*schüttel*) auf. Wenn ihr da noch Tipps oder ein neues Lied – bin ja immer noch abgeschnitten von der Außenwelt und habe erst jetzt durch Kathilein erfahren, dass Münti von allen Ämtern zurückgetreten ist, das geht so nicht Leute! – findet, dann ab die ePost!
Jetzt freue ich mich übrigens auf meine Julia (Göttingen), die vom 5.12. an bei mir sein wird *G* und hoffe ganz doll, dass es euch allen gut geht!